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Sufi-Tarikats und Mevlevi-Derwische

Die Islamische Religion regelt, wie alle bekannten Religionen, die menschliche Existenz in exoterischer, also weltlicher Richtung und in esoterischer, also innerer oder geistiger Richtung. Diese geistige Richtung des Islam wird im Allgemeinen als Sufismus bezeichnet. Sie ist der mystische Teil des Islam. Der Inhalt des mystischen Teiles lässt sich in wenigen Worten natürlich nicht beschreiben. Der Suchende wird hier auf die vielen Sachbücher zum Thema Sufismus verwiesen. Es lässt sich aber für alle Sufiwege sagen, dass der Mittelpunkt der verschiedenen Lehren das Einheitsbekenntnis, das Tawhid (gesprochen Tauwid) ist. Dieses durch Hz. Mohammed (der Friede und das Wohlgefallen Gottes seien mit Ihm) offenbarte Kernstück des Islam heißt:
La illahe ill Allah

LA ILLAHE - IL ALLAH

Wörtlich übersetzt heißt das:

Da ist kein Gott - da ist Gott

Im Allgemeinen wird es übersetzt mit:

Es gibt keinen Gott, außer (dem einen) Gott.

Dieses so einfach wirkende Wort ist für den Sufi die Herausforderung zur Erkenntnis Gottes. Die Erkenntnis des Tawhid, also der Einheit, ist der zentrale Inhalt der Suche. Denn der erste Satz des Einheitsbekenntnisses heißt

"LA IL LA HE - da gibt es keinen Gott".

Dort wo kein Gott ist, ist aber auch keine Schöpfung, und wo keine Schöpfung und kein Gott ist, ist Nichts. Dieses Nichts wird durch die Silbe

"LA"

ausgedrückt. Dieses "LA" ist das große Nein, die große Verneinung. Folglich ist dort wo Gott ist, auch die Schöpfung, und da beide voneinander nicht trennbar sind, ist die Schöpfung der offenbarte Teil Gottes. In der Folge muss geschlossen werden, dass die gesamte Schöpfung aus Gott hervorgegangen ist. Dies wird durch den zweiten Teil des Einheitsbekenntnisses gesagt:

"IL ALLAH"

Alles, was existiert, ist Gott. Nichts existiert, was nicht Gott ist. Der Hl. Quran sagt dazu: "Ihr kommt von Gott, und zu Ihm werdet Ihr schließlich zurückgebracht."

Der Weg des Sufi besteht darin, diese ja zunächst sehr theoretische Erkenntnis in der Realität zu sehen, zu erleben und im Leben zu verwirklichen. Die Verwirklichung dieser Erkenntnis verlangt aber, die Welt als Teil der Schöpfung und diese wiederum als Teil Gottes zu akzeptieren. Und diese Verwirklichung verlangt es vom Einzelnen, im Leben zu stehen, so wie jeder andere Mensch zu leben und sich nicht zurückzuziehen in Klöster oder Zellen.

Diese Menschen, die dies versuchen, nennt man Derwische. Das Wort "Derwisch" leitet sich aus dem Persischen ab und bedeutet soviel wie "Türschwelle". Die Türschwelle ist ein Symbol für den Weg des Sufi. Sie verbindet das Innere des Hauses mit der Straße, die Innenwelt mit der Außenwelt. Sie ist genau in der Mitte. Hier wird der klare Hinweis sichtbar, sich in der Mitte des Lebens aufzuhalten, sich nicht im Inneren zu verstecken, aber auch nicht in der äußeren Welt zu ertrinken.

Um dieses, oben beschriebene Bewusstsein zu erlangen, ist es nötig, sich von allem zu trennen, was nicht dem echten Sein entspricht. Es ist eine Reinigung nötig von allem, das dem künstlichen Selbst eines Menschen entsprungen ist. Dieses künstliche Selbst ist durch Erziehung, Konditionierung und Egoismen entstanden. Dieses Selbst ist aber nicht eines, sondern es sind viele, wie der aufrichtige Suchende bald feststellen wird. Wir nennen solche Selbste "Egos". Diese Egos müssen aufgelöst werden, um die Einheitserkenntnis dauerhaft zu erreichen. Verschiedene große Sufimeister, die sogenannten Pirs, haben dazu verschiedene Wege eröffnet. Diese Wege nennen wir die Tarikats.


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